Der Sudoscan misst, wie gut die kleinen Nervenfasern arbeiten (auf Englisch: Small Fibres, deswegen spricht man auch von SFN / Small Fibre Neuropathy), welche die Schweißdrüsen an Händen und Füßen steuern. Die Messung dauert etwa drei Minuten. Sie ist nicht-invasiv und kommt ohne Hautprobe und Vorbereitung aus; sie lässt sich außerdem jederzeit wiederholen.
Andere, gängige Methoden:
- Die Hautbiopsie gilt als Referenz, ist aber ein Eingriff und an nur wenigen Zentren verfügbar.
- Der QSART, ein weiterer Test der Schweißnervenfunktion, ist aufwendig und spezialisierten Kliniken vorbehalten.
- Die übliche Nervenleitmessung erfasst vor allem die großen Nervenfasern.
Der Sudoscan ergänzt diese Verfahren um eine schnelle, objektive Funktionsmessung, die sich
- ambulant
- und als Verlaufskontrolle einsetzen lässt.

Einsatzgebiete des Sudoscans
Ich nutze die Messung als ergänzenden Befund, unter anderem bei:
- Diabetes oder Prädiabetes, um die Funktion der kleinen Nervenfasern zu erfassen.
Hier ist besonders interessant, dass sich auch eine leicht gestörte Glukosetoleranz schon auf die kleinen Nervenfasern auswirken kann. - brennenden, kribbelnden oder tauben Füßen oder Händen ohne geklärte Ursache.
- einer bekannten Polyneuropathie, zur Verlaufskontrolle.
- Verdacht auf eine Beteiligung der kleinen Nervenfasern bei Dysautonomien wie POTS, bei Long Covid, Sjögren-Syndrom oder Bindegewebserkrankungen.
Für Diabetes ist die Datenlage am umfangreichsten. Bei den anderen Erkrankungen ist sie dünner, aber es gibt Studien, die zeigen, dass auch bei diesen Erkrankungen auffällige Messwerte gefunden wurden. Ob die Messung in Ihrer Situation sinnvoll ist, besprechen wir vorher.
Was gemessen wird
Die Schweißdrüsen an Händen und Füßen werden von sehr dünnen Nervenfasern des vegetativen Nervensystems versorgt, den kleinen Nervenfasern (englisch: Small Fibres). Sind diese Fasern intakt, bleiben die Schweißdrüsen funktionsfähig.
Der Sudoscan legt über Elektroden an Handflächen und Fußsohlen eine sehr niedrige Gleichspannung an. Dieser leichte elektrische Reiz regt die Schweißdrüsen an, Chloridionen abzugeben, und dabei entsteht ein messbarer Strom. Gemessen wird also nicht, wie stark Sie schwitzen, sondern wie gut Ihre Schweißdrüsen auf diesen Reiz reagieren. Das Ergebnis ist die elektrochemische Hautleitfähigkeit in Mikrosiemens (µS). Weil die Funktion der Schweißdrüsen von ihrer Nervenversorgung abhängt, gibt der Wert indirekt Auskunft über den Zustand der kleinen Nervenfasern.
Was das Ergebnis zeigt und was nicht
Das Ergebnis ist ein Messwert, noch keine Diagnose. Ich ordne es immer zusammen mit Ihren Beschwerden, Ihrer Vorgeschichte und weiteren Befunden ein.
Ein unauffälliger Wert schließt eine Nervenschädigung nicht aus. Ein auffälliger Wert gibt uns einen wertvollen Hinweis, aber noch keine Ursache, dem weiter nachgegangen werden sollte, mit weiterführenden Untersuchungen. Gerne verfasse ich auch einen Bericht für Ihren Neurologen oder Ihre Neurologin.
Besonders wertvoll ist die Messung im Verlauf. Weil sie unkompliziert und ambulant durchführbar ist, lässt sie sich in Abständen wiederholen, zum Beispiel bei Diabetes oder einer bekannten Neuropathie. So wird sichtbar, ob sich die gemessene Nervenfunktion über die Zeit verändert. Der Trend über mehrere Messungen sagt dabei mehr als ein einzelner Wert. Ob eine Veränderung mit einer Behandlung zusammenhängt, beurteile ich immer zusammen mit den Beschwerden und weiteren Befunden.
Ablauf der Untersuchung
- Sie legen Schmuck ab und ziehen Schuhe und Strümpfe aus. Hände und Füße sollten sauber und ohne Creme sein.
- Sie stellen die Füße auf die Fußelektroden und legen die Handflächen flach auf die Handelektroden.
- Während der Messung stehen Sie etwa drei Minuten ruhig, leicht nach vorne gebeugt.
- Das Ergebnis erscheint direkt am Bildschirm, und ich bespreche es mit Ihnen.
Kosten
Die Messung kostet 60 €. Die Abrechnung erfolgt nach dem Gebührenverzeichnis für Heilpraktiker (GebüH, Ziffer 16.3). Der Betrag liegt über dem Gebührenrahmen des GebüH (bis 41 €). Den Differenzbetrag erstatten Kostenträger in der Regel nicht.
Ich setze den Sudoscan im Rahmen der Abklärung bestimmter Beschwerden in meiner Praxis ein, beispielsweise im Rahmen der Suche nach Ursachen von Beschwerden des vegetativen Nervensystems. Dazu gehören auch eine körperliche Untersuchung und gegebenenfalls Labordiagnostik, die gesondert berechnet werden. Verlaufsmessungen sind im Rahmen einer laufenden Behandlung möglich.
Gesetzliche Krankenkassen übernehmen die Kosten nicht. Private Krankenversicherungen, Beihilfe und Heilpraktiker-Zusatzversicherungen erstatten je nach Tarif. Eine vorherige Klärung mit Ihrem Kostenträger ist sinnvoll.
FAQ
Tut die Messung weh?
Nein. Es fließt ein sehr schwacher Strom. Selten treten leichtes Kribbeln, ein unangenehmes Gefühl oder Schwindel auf.
Ich kann schlecht lange stehen. Geht die Messung trotzdem?
Die Messung erfolgt im Stehen und dauert etwa drei Minuten. Wenn Ihnen Stehen schwerfällt, etwa bei POTS, sprechen Sie mich vorher an. Ich bleibe während der Messung bei Ihnen, und sie kann jederzeit abgebrochen werden.
Referenzen
- Impeto Medical. (2026). SUDOSCAN user guide (POM.01, Rev. 04) [Gebrauchsanweisung].
- Lefaucheur, J.-P. (2023). The value of electrochemical skin conductance measurement by Sudoscan® for assessing autonomic dysfunction in peripheral neuropathies beyond diabetes. Neurophysiologie Clinique, 53(2), Article 102859. https://doi.org/10.1016/j.neucli.2023.102859
- Novak, P. (2016). Electrochemical skin conductance correlates with skin nerve fiber density. Frontiers in Aging Neuroscience, 8, Article 199. https://doi.org/10.3389/fnagi.2016.00199
- Porubcin, M. G., & Novak, P. (2020). Diagnostic accuracy of electrochemical skin conductance in the detection of sudomotor fiber loss. Frontiers in Neurology, 11, Article 273. https://doi.org/10.3389/fneur.2020.00273
- Selvarajah, D., Cash, T., Davies, J., Sankar, A., Rao, G., Grieg, M., Pallai, S., Gandhi, R., Wilkinson, I. D., & Tesfaye, S. (2015). SUDOSCAN: A simple, rapid, and objective method with potential for screening for diabetic peripheral neuropathy. PLOS ONE, 10(10), Article e0138224. https://doi.org/10.1371/journal.pone.0138224