Wie wir atmen, beeinflusst weit mehr als die Sauerstoffversorgung. Atemtempo, Atemvolumen und der Weg, den die Luft nimmt, wirken auf das vegetative Nervensystem, auf den CO₂-Haushalt und damit auf viele Regelkreise im Körper. Genau dort setze ich in der Atemtherapie an.
Meine Ausbildung habe ich bei Buteyko Clinic International (Patrick McKeown) gemacht. Diesen Ansatz verbinde ich mit der aktuellen Forschung zur autonomen Regulation und passe ihn an die Besonderheiten komplexer chronischer Erkrankungen an.
Für wen Atemtherapie infrage kommen kann
Atemtherapie kann begleitend im Rahmen eines Therapiekonzeptes sinnvoll sein, zum Beispiel bei:
- Dysautonomien wie POTS und anderen Formen orthostatischer Intoleranz
- MCAS und allergischen Erkrankungen
- ME/CFS
- Asthma bronchiale
- chronischer Hyperventilation und dysfunktionalen Atemmustern
Chronische Hyperventilation: ein oft unbehandeltes Problem
Oft unbemerkt
Hyperventilation bedeutet, mehr zu atmen, als der Körper gerade braucht, und dabei zu viel CO₂ abzuatmen. Das muss nicht nach Hecheln aussehen: Die Atemfrequenz kann völlig normal sein, während jeder einzelne Atemzug zu groß ist.
CO₂ ist kein Abfallprodukt
CO₂ reguliert unter anderem die Weite der Hirngefäße. Sinkt der Spiegel, wird das Gehirn schlechter durchblutet, und der Sympathikus kann vermehrt aktiviert werden. Mögliche Folgen reichen von Schwindel über Herzklopfen bis zu Verdauungsbeschwerden.
Der verstellte Thermostat
Sensoren im Hirnstamm und an der Halsschlagader messen das CO₂. Bleibt es dauerhaft niedrig, stellen sie sich auf einen neuen Sollwert ein. Normales Atmen fühlt sich dann wie Luftnot an. Forschende vermuten, dass sich dieser Mechanismus bei Dysautonomien mit einem überaktiven Sympathikus gegenseitig verstärken kann.
Was die Forschung zeigt
Bei Menschen mit orthostatischer Intoleranz fanden sich in Belastungstests deutlich niedrigere CO₂-Werte in der Ausatemluft als bei Gesunden (Hashemizad 2025). Bei ME/CFS zeigten in einer aktuellen Studie rund 70 % der Untersuchten unter Belastung eine Hyperventilation oder ein dysfunktionales Atemmuster (Mancini 2025).
Gleichzeitig gibt es ermutigende Daten zur Atemtherapie: Eine Meta-Analyse aus über 200 Studien zeigt, dass langsames Atmen die vagal vermittelte Herzratenvariabilität erhöht, also die Aktivität des Parasympathikus (Laborde 2022). Bei POTS verringerte eine gezielte Bauchatmung in einer Studie Herzfrequenz und Beschwerden beim Aufstehen (Stick 2024).
Für Menschen mit MCAS interessant: In Zellversuchen hemmte CO₂ die Freisetzung von Botenstoffen aus Mastzellen (Strider 2011). Ob sich das auf den Menschen übertragen lässt, ist noch nicht untersucht, der Mechanismus ist aber biologisch plausibel.
→ Ausführlich zur Studienlage finden Sie Artikel auf meiner Gesundheitsplattform immunoloco.
Ablauf
Wenn Sie weiter weg wohnen, können wir uns zunächst in einem Online-Vorgespräch kennenlernen und Ihren Praxisbesuch planen. Die Erstuntersuchung findet in meiner Praxis im Harz statt, denn Messungen wie die Kontrollpause im Stehen, der NASA Lean Test oder der Sudoscan brauchen Ihre Anwesenheit. Danach können viele Übungstermine online stattfinden. Mehr dazu in meinen Antworten auf häufige Fragen.
Wenn Sie ohne Krankheitsbezug an Ihrer Atmung arbeiten möchten, etwa zur Stressregulation oder für mehr Leistungsfähigkeit, finden Sie mein Atemcoaching bei immunoloco.
Kosten für Einzel- und Gruppentherapie
Ich rechne die tatsächlich genutzte Zeit ab, das passt gut zu den oft kurzen Einheiten in der Atemtherapie. Private Krankenversicherungen und die Beihilfe erstatten je nach Tarif einen Teil, mit Zuzahlungen sollten Sie aber rechnen. Details finden Sie auf meiner Kostenseite.
So können sich die Teilnehmenden auch gegenseitig motivieren und es wird für den einzelnen günstiger. Zudem sollte man nicht unterschätzen, dass auch das gemeinsame Erfahren und Einüben schon wertvoll sein kann. In der Regel sind drei Termine angesetzt für eine Gruppentherapie.
Ablauf & Terminvereinbarung
So beginnen wir
Meistens lernen wir uns zuerst in einer Online-Beratung kennen. Sie ist noch keine Behandlung, sondern dient dem Kennenlernen und der Planung: Wir bereiten Ihren ersten Praxisbesuch so vor, dass möglichst alle Untersuchungen vorgenommen werden können und der Kurier bereitsteht.
Die Erstuntersuchung findet dann persönlich statt, in meiner Praxis im Harz oder im Rahmen eines Hausbesuchs. Danach können viele Besprechungen per Video stattfinden, in die Praxis kommen Sie in Abständen.
Warum persönlich?
Für mich gehört die persönliche Untersuchung zu einer gründlichen Diagnostik dazu. Deshalb sehen wir uns zur Erstuntersuchung immer persönlich, bevor ich Sie behandle.
Wie die einzelnen Schritte aussehen, lesen Sie unter Ablauf.
Termin buchenGut zu wissen
Wenn ich in der Beratung merke, dass ich Sie nicht gut unterstützen kann, sage ich Ihnen das offen. Das erspart Ihnen im Zweifel eine weite Anreise.
Referenzen
April 2025 Hashemizad A, Dela Cruz J, Narayan A, Maxwell AJ. Hyperventilation during rest and exercise in orthostatic intolerance and Spiky-Leaky Syndrome. Front Neurol. 2025;16:1512671.
https://www.frontiersin.org/journals/neurology/articles/10.3389/fneur.2025.1512671/full
Nov. 2025 Mancini DM, Brunjes DL, Cook D, et al. Abnormal breathingpatterns and hyperventilation are common in patients with chronic fatiguesyndrome during exercise. Front Med. 2025;12:1669036.
https://www.frontiersin.org/journals/medicine/articles/10.3389/fmed.2025.1669036/full
Strider JW, Masterson CG, Durham PL. Treatment of mast cells with carbon dioxide suppresses degranulation via a novelmechanism involving repression of increased intracellular calciumlevels. Allergy. 2011 Mar;66(3):341-50. doi: 10.1111/j.1398-9995.2010.02482.x. Epub 2010 Sep 7. PMID: 21284650
https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/21284650/
Laborde S, Allen MS, Borges U, et al. Effects of voluntaryslow breathing on heart rate and heart rate variability: A systematic review and a meta-analysis. Neurosci BiobehavRev. 2022;138:104711. doi:10.1016/j.neubiorev.2022.104711
https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/35623448/
Stick M, Leone A, Fischer F, Schulz JB, Maier A. Deep abdominal breathing reduces heart rate and symptoms duringorthostatic challenge in patients with postural orthostatictachycardia syndrome. Eur J Neurol. 2024;31(10):e16402. doi:10.1111/ene.16402
https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/38962840/
Mauro M, Cegolon L, Bestiaco N, Zulian E, Larese Filon F. Heart Rate Variability Modulation Through Slow-Paced Breathing in Health Care Workers with Long COVID: A Case-Control Study. Am J Med. 2025;138(5):870-883.e5. doi:10.1016/j.amjmed.2024.05.021
https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/38795941/